Jahresbericht 2020

Jahresbericht 2020

Das Jahr 2020 hat mit einer Veränderung bezüglich Notfallhilfen begonnen. Der Vorstand beschloss, dass in Notfällen eine Soforthilfe in Höhe von 100€ von zwei Vereinsvorständen aus der Vereinskasse freigegeben werden kann. Hintergrund waren medizinische Notfälle und persönliche Notlagen bei Betroffenen, welche sich zum Jahreswechsel häuften.

Außerdem konnten wir durch großzügige Spenden neuwertige und qualitativ hochwertige Unterhosen beschaffen. Die Anzahl belief sich dabei auf über 300 Stück im Januar. Vor Corona konnten wir außerdem noch festes, ebenfalls qualitativ hochwertiges Schuhwerk bereitstellen.

Unterhosen in allen Größen

In diesem Jahr haben wir uns außerdem sehr über die großzügige Hilfe des Vereins Mainz 05 hilft gefreut. Er ermöglicht uns durch eine Zuwendung, quartalsweise insgesamt vier Geburtstagsfeiern für alle Obis zu organisieren. Die Feiern werden stattfinden sobald die Regelungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie solche Veranstaltungen wieder ermöglichen.

Zusätzlich haben wir 2020 unsere Website wohnsitzlos-in-mainz.de fertiggestellt, die nach Anerkennung der Gemeinnützigkeit online ging. Dort kann man sich nun Hintergrundinformationen sowie regelmäßige Neuigkeiten zu unseren Projekten durchlesen. Neben der Website haben wir auch Flyer erstellt (die jedoch aufgrund der Pandemie und der geplanten Verlegung des Vereinssitzes noch nicht in den Druck gegangen sind) und neben unserer Facebook-Gruppe eine zusätzliche Facebook-Seite kreiert, die Interessierte mit wichtigen Nachrichten zum Verein und zu Obdachlosigkeit informiert.

Krebbel-Café Anfang 2020

Zur Altweiberfastnacht haben wir in Kooperation mit der Landbäckerei Mayer Krebbel und Kaffee an unsere Obis verteilen können, dafür sind wir sehr dankbar!

Corona-Hilfen

Weiterhin haben wir angesichts der Umstände der Pandemie spontan beschlossen, Gelder freizusetzen, um die aktuelle Lebensmittelorganisation zu übernehmen. Seit März können sich die Wohnsitzlosen am Tagesaufenthalt der Mission Leben Lunchpakete abholen(statt Frühstück drinnen im Tagesaufenthalt). Hierzu wurden zu Beginn knapp 1.000€ wöchentlich eingesetzt, um den Bedarf zu decken. Inzwischen hat die Mission Leben über eine Förderung die Möglichkeit, diese Kosten selbst zu übernehmen. Hierzu konnten wir neben Privatspenden 1.500€ aus dem Corona-Hilfsfonds der Stadt Mainz sowie 1.000€ aus einem Spendenfonds der Sparda-Bank Mainz einsetzen.

Gleichzeitig haben wir Gutscheine in Supermärkten erworben, die an die Wohnsitzlosen ausgegeben werden konnten. Hierzu gab uns die Staatskanzlei RLP aus den Töpfen der rheinland-pfälzischen Corona-Soforthilfegelder 500€ zusätzlich zu den 1.000€ des Brückenpreises von Ende 2019, sodass wir für 1.500 € Gutscheine kaufen konnten. Das haben wir auf unserer Homepage beworben und haben somit auch Privatleute animiert, es uns gleich zu tun.

Übergabe

Da wir aufgrund der Pandemie zurzeit keine Sachspenden von Privatpersonen annehmen können, haben wir das Spendenaufkommen auch dafür genutzt, Socken, Schuhe und hochwertige Einwegrasierer zu kaufen, um die Grundbedürfnisse der Wohnsitzlosen möglichst umfassend zu decken.

Ein weiteres tolles Projekt des letzten Jahres wurde im Sommer von einigen fleißigen Näherinnen ins Leben gerufen. In einem Zeitraum von zehn Wochen haben Freiwillige genau 2002 Stoff-Masken für die Wohnsitzlosen genäht. Im Laufe des Jahres kamen großzügige Spenden von Papier-Einweg-Masken und OP-Masken hinzu – letztere sind gerade jetzt, nach Verschärfung der Maskenpflicht, sehr wertvoll für unsere Wohnsitzlosen.

Desweiteren unterstützen uns die Firma Ditsch mit Backwaren die wir bedarfsgerecht aufbacken können sowie die Landbäckerei Mayer mit Brot und Backwaren die wir täglich ausgeben und die Firma YORMA‘S, die uns mit Vortragsware versorgt.

Ebenfalls machte sich unser Verein stark für die Abschaffung eines Gabenzauns, das zuvor im März ohne Anmeldung und trotz unserer Bedenken am Mainzer Hauptbahnhof errichtet wurde und dessen Kontrolle und Pflege nicht gewährleistet werden konnte.

Ein weiterer Erfolg für zwei unserer Obis aus der Hochrisikogruppe war ihre neue temporäre Unterkunft in einem Ferienhaus von März bis Mai. Zu verdanken ist das der Familie Fischer und unserem Mitglied Caroline Elfers. Sie hatte für die Wohnsitzlosen über Facebook einen Garten mit Hütte gesucht und die Familie bot ihr Ferienhaus in Finthen an, welches eine echte Luxusunterkunft für die beiden war. Aufgrund der Krise durften die Eigentümer:innen ihre Ferienhäuser nicht vermieten und stellten sie deshalb für die Obis kostenlos zur Verfügung. Caro versorgte sie und schaute regelmäßig nach ihnen.

Die Solidari-T-Shirts

Ein weiteres Projekt waren die Solidari-T-Shirts, mit deren Kauf wir zum einen unseren Gründungsmitglied und Inhaber der Kult-Kneipen Hardrockclub „Alexander The Great“ sowie Good Time Michael „Sweaty“ Vogt finanziell unterstützten und zum anderen unseren Obis neue T-Shirts schenken konnten. Michael setzt sich seit mehreren Jahren für Wohnsitzlose ein, unterstützte uns bei der Vereinsgründung und ist immer, wirklich immer für uns da (egal ob mit oder ohne festen Wohnsitz). Die Kult-Kneipe und der Rock-Club bleiben geschlossen, die Einnahmen fehlen – für uns genau der richtige Moment, um auch mal etwas zurück zu geben. Wir kauften also 101 Solidari-T-Shirts aus dem Alexander The Great-Merchandise-Shop, um die Wohnsitzlosen und die Kneipenvielfalt in Mainz gleichzeitig zu unterstützen.

Für das Open Ohr-Festival, das 2020 wie so viele Veranstaltungen ausfallen mussten, gab es eine Online-Version. Wir verfassten eine Stellungnahme, um teilnehmen zu können. Dort wurde zusammengefasst, womit sich der Verein beschäftigt und es wurde Stellung zum Wohnraum in Mainz genommen. Außerdem wurden Obdachlose nach ihren größten Wünschen gefragt, um eine Auseinandersetzung mit der Thematik voranzutreiben.

TakeCare-Gutscheine

Von Beginn an (Ende März) konnten wir mit der Idee der TakeCare-Gutscheine punkten. Ein großes Projekt, das eine unserer Vereinsvorsitzenden Theresa sich überlegt hat. Bei dem Konzept handelt es sich um eine Win-Win-Situation für die Gastronomie sowie für die Wohnsitzlosen in Mainz und es funktioniert folgendermaßen: Unser Verein erwirbt Gutscheine für eine warme Mahlzeit (und ein Getränk) in den teilnehmenden Gaststätten.

Wohnsitzlos in Mainz e.V. verteilt sie an Bedürftige, die sich Gutscheine aus den gerade verfügbaren Gastros und in der Gastro aus einer definierten Anzahl von Speisen frei aussuchen können. Somit wird in Zeiten von Corona der Mainzer Gastronomie geholfen und gleichzeitig können unsere Obis gute Mahlzeiten erhalten, die sie selbstbestimmt einkaufen können. Tatsächlich konnten sogar einige kleine Gastronomie-Betriebe durch die Aktion mit den Wohnsitzlosen gerettet werden. Die Aktion ist mit eigenem Logo und eigener Webseite (www.takecare-gutscheine.de) ausgestattet und durch eine Anschubfinanzierung von AktionMensch in Höhe von 50.000 €, Preisgeldern, Förderungen und privaten Spenden kam in 2020 über 100.000 € zusammen. Von April bis Ende Dezember wurden davon ca. 12.500 Gutscheine bzw. warme Mahlzeiten ausgegeben. Die restlichen finanziellen und zweckgebundenen Mittel für TakeCare-Gutscheine werden in den kalten Wintermonaten 2021 für Gutscheine eingesetzt – gerade jetzt, wo es kalt ist, kaum Möglichkeiten zum warmen Unterschlupf besteht und die langen Ein- und Beschränkungen besonders die kleinen Gastronomien an den Rande des Ruins drängen, ist diese Unterstützung wichtiger denn je.

TakeCare-Gutscheine: Take-away (Essen zum Mitnehmen) und Care-Paket in einem.

Zusätzlich wird das Projekt unter anderem durch Oberbürgermeister Michael Ebling finanziell und ideell unterstützt. Die TakeCare-Gutscheine sind vor allem lokal auf viel positive Resonanz gestoßen und wurden mehrfach in den öffentlichen Medien erwähnt.

In der Landesschau Rheinland-Pfalz war überdies unsere erste Vorsitzende Nathalie zu sehen, die über Obdachlosigkeit und ihre eigenen Erfahrungen damit berichtet. Auch das Prinzip der TakeCare-Gutscheine – Obdachlosen und der lokalen Gastronomie gleichzeitig zu helfen – wurde veranschaulicht.

Eine große Freude des letzten Jahres waren zudem eine großzügige Spende der HUK Coburg – die Ausgaben, die für das interne Sommerfest der Mainzer Filiale eingeplant waren, das wegen Corona nicht stattfinden konnte, wurden von den Mitarbeitenden auf verschiedene gemeinnützige Organisationen verteilt. Auch die Sparkasse Mainz und die Volksbank Mainz unterstützten die TakeCare-Gutscheine mit einer Spende von jeweils 1.000 €.

Ferner wurde der Verein 2020 für den deutschen Engagement-Preis nominiert gewann den deutschen Nachbarschaftspreis 2020, der mit einem Preisgeld von 2.500€ dotiert ist.

Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt MainzIch gratuliere dem Team des Vereins Wohnsitzlos in Mainz zu dieser hochverdienten Auszeichnung. Die Landeshauptstadt Mainz braucht gerade jetzt in der Corona-Zeit genau solche kreativen Ideen. Wir haben den Verein sehr gerne unterstützt. Denn er fördert mit seiner Initiative nicht nur den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt, sondern zugleich auch die lokale Wirtschaft.

Des Weiteren bekamen wir Unterstützung von den Fußballprofis Leon Goretzka und Joshua Kimmich vom FC Bayern München, die die Initiative We kick Corona ins Leben gerufen haben. Für die TakeCare-Gutscheine spendeten sie in diesem Rahmen eine beträchtliche Summe an den Verein.

#WeKickCorona unterstützt die TakeCare-Gutscheine

Auch die Landtagsverwaltung bedachte uns in diesem Jahr mit einer Weihnachtsfeier-Spendensammlung der Mitarbeitenden, die LOTS OF DOTS MediaGroup.AG spendete Gelder, die normalerweise für Kundengeschenke zu Weihnachten ausgegeben werden und die Mitarbeitenden der ARDIAN Germany GmbH bedachte uns im Rahmen des „Giving Tuesday“. Der Giving Tuesday wurde 2012 in den USA gegründet. In Deutschland wurde die Bewegung in 2015 ins Leben gerufen, mit dem Ziel alle Personen, Organisationen, Einrichtungen und Unternehmen zu ermutigen ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Spenden (jeglicher Art) an Personen die es am meisten notwendig haben.

Der Mainzer Weihnachtstaler (Gold- und Silbermünzen, Landeshauptstadt Mainz und Mainzer Volksbank) enthält im Kaufpreis immer eine Spende – diese ist 2020 den TakeCare-Gutscheinen gewidmet.

Nicht aufzählen können wir hier die unzähligen Geld- und Sachspenden, die es uns in diesem so verrückten und ungewöhnlichen Jahr ermöglicht haben, über uns hinaus zu wachsen und unseren Wohnsitzlosen trotz der schweren Zeiten beizustehen. An dieser Stelle möchten wir einen herzlichen Dank an all jene richten, die hier nicht namentlich benannt sind!

Vielen Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer!

In der Zwischenzeit bereiten wir uns auf ein (hoffentlich etwas ruhigeres) 2021 vor und hoffen, in diesem Jahr wieder eine Vollversammlung vor Ort durchführen zu können.

Bis dahin wünschen wir allen Unterstützerinnen und Unterstützern alles Gute und bleiben Sie gesund!

Nathalie Böhm, Theresa Lotichius, Gisela Costanzo und das Team von WiM