Drei Wochen Corona-Einschränkungen – ein Zwischenbericht

Drei Wochen Corona-Einschränkungen – ein Zwischenbericht

Unfassbar, wie schnell die Zeit fliegt, wenn man von Tag zu Tag organisiert. Dieses Wochenende haben wir uns Zeit genommen, mal zurück zu schauen.

Flexibilität ist gefragt

Die morgendliche Frühstücksausgabe im Tagesaufenthalt der Mission Leben in der Wallstraße 13 wird meist über Sachspenden organisiert. Nun sind viele Läden, die uns unterstützt haben, geschlossen. Sachspenden von Privatpersonen können wir nicht mehr annehmen. Die Obis dürfen nicht mehr in den Speisesaal. Daher verteilen wir seit dem 16.3. das Frühstück in Form von Lunchpaketen. Wir bedanken uns herzlich bei der Landbäckerei Mayer, die uns täglich mit Brot versorgt, der Metro Mainz-Kastel, die uns regelmäßig mit Gastro-Gebinden versorgt und all den anderen, die ich aktuell nicht alle im Kopf habe und deren Aufzählung auch diesen Beitrag sprengen würde.

Darüber hinaus fallen nun alle ehrenamtlichen Koch-Aktionen und Kuchenspenden aus. Entsprechend haben wir beschlossen, die Menschen, die es am Härtesten trifft, mit Lebensmittelgutscheinen zu versorgen, also Gutscheinen für den Lebensmitteleinzelhandel. Diese wurden zum Teil privat gespendet, gleichzeitig haben wir mit der Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz eine Gutschein-Aktion gestartet: Unser Preisgeld des Brückenpreises Ende letzten Jahres (1.000 €) wurde über den Projektefonds  „Unterstützung selbstorganisierter, bürgerschaftlicher Projekte der Nachbarschaftshilfe in der Corona-Pandemie“ noch einmal um 500 € aufgestockt, sodass wir innerhalb einer Woche 150 Gutscheine á 10 € organisieren konnten. Vielen Dank an dieser Stelle auch an all die Menschen, die zusätzlich noch Gutscheine gekauft und uns als private Spende übermittelt haben!

Dank der großartigen Bereitschaft von Familie Fischer, ihr Ferienhaus für die Dauer der Krise kostenfrei zur Verfügung zu stellen, konnten wir zwei Wohnsitzlose, die zur Hochrisikogruppe gehören, von der Straße holen. Kurze Zeit später wurde das INNdependence Hotel in Mainz in Kooperation zwischen dem Verein Armut und Gesundheit sowie der Stadt Mainz ebenfalls für Wohnsitzlose geöffnet. An dieser Stelle möchten wir erneut darum bitten, Anfragen direkt an den Verein Armut und Gesundheit zu stellen, da wir die zahlreichen Anfragen aufgrund unserer vielfältigen Aktivitäten derzeit nicht bearbeiten können.

In der Zwischenzeit wurde zu unserer Erleichterung auch die 14-Tages-Regelung zum Tagesgeld ausgesetzt: Berechtigte können sich das Tagesgeld nun für alle Tage des Monats in den Auszahlungsstellen (beispielsweise Wallstraße 13 in Mainz) abholen. Unter Berücksichtigung der entsprechenden Auflagen sind hier im Tagesaufenthalt, mit dem Wohnsitzlos in Mainz e.V. seit jeher eng zusammenarbeitet, auch weiterhin das Duschen, Waschen von Kleidung und der Toilettengang möglich.

Im Rahmen des Programms „Mainz hilft sofort“ bleibt auch die Container-Anlage für Obdachlose für weitere drei Monate als Schlafmöglichkeiten bestehen.

Nachdem am Samstag, 29. März entgegen vorheriger medial verbreiteter Angaben die Menschen in den Erfrierungsschutzcontainern nicht mit Lebensmitteln versorgt waren, sprang unser Unterstützer George von der George Ford Akademie kurzfristig ein, um schnell ein warmes Essen für alle 24 Bewohnerinnen und Bewohner zu spendieren. Der Verein besorgte weiterhin Mikrowellengerichte für die Bewohnerinnen und Bewohner, damit sie auch den Sonntag nicht mit leerem Bauch verbringen mussten.

Seit dem 1. April läuft außerdem die Aktion „TakeCare-Gutscheine„, eine Mischung aus Take-away und Care-Paket: Diese Gutscheine unterstützen lokale Gastro-Betriebe in der Krise und geben den Wohnsitzlosen die Möglichkeit, ein leckeres, frisches und vor allem warmes Essen zu bekommen. 120 dieser Gutscheine sind bereits im Umlauf und wir arbeiten daran, dass es stetig mehr werden.

Insbesondere Ostern stellt uns vor eine große Herausforderung: An gesetzlichen Feiertagen muss auch der Tagesaufenthalt der Mission Leben geschlossen bleiben, sodass wir an Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag keine Lunchpakete ausgeben können. Entsprechend haben wir unser Kontingent an Gutscheinen und haltbaren Lebensmitteln aufgestockt, um die Versorgung weiterhin zu gewährleisten. Aktuell liegt unser Finanzbedarf neben den Sach- und Gutscheinspenden bei ca. 1.500 € pro Woche. Wir halten daher Ausschau nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten wie dem Programm „Mainz hilft sofort – dem Ehrenamtund freuen uns über weitere Vorschläge!

Unsere Jahresvollversammlung, die erste Quartals-Geburtstagsfeier sowie der Osterbrunch müssen selbstverständlich ausfallen. Für Ostern überlegen wir uns aber etwas Schönes.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Helferinnen und Helfern, Spenderinnen und Spendern und Unterstützerinnen und Unterstützern herzlich bedanken! Auch wenn wir nicht jede/n namentlich nennen kennen, sind wir überwältigt von der Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt in diesen Zeiten. Wir bitten alle um ein wenig Geduld bei der Beantwortung der Anfragen und etwas Nachsicht, wenn wir vielleicht manchmal etwas „ruppig“ rüberkommen – wir wissen eure und Ihre Angebote zu schätzen, sind aktuell aber leider auch im Dauerstress.